Unternehmensmodellierungswerkzeug zur Anwendung der MEMO-Methode (MEMOCenterNG)

Forschungsprojekt

Beschreibung

Software-unterstütze Multiperspektivische Unternehmensmodellierung

Unternehmensmodellierung steht vor der Herausforderung, reale Betrachtungsgegenstände aus dem betriebswirtschaftlichen Kontext mit variierendem Detaillierungsgrad und aus unterschiedlichen Perspektiven symbolisch handhabbar zu machen. Diese Aufgabe erfordert zum einen tiefgreifende Kompetenzen der Modellierer und Anwender von Modellen im Umgang mit visuellen Zeichensystemen und sprachlichen sowie nicht-sprachlichen Ausdrucksmitteln. Sie ist außerdem notwendig an die Unterstützung durch Software gebunden, weil die nicht-materiellen Artefakte des Modellierens, visuelle Diagramme und textuelle Spezifikationen, erst durch konsistenzsichernde Maßnahmen eines Softwarewerkzeugs ein integriertes, multiperspektivisches Modell einer Unternehmung formen.

Die Aufgaben eines Software-Werkzeugs zur Unternehmensmodellierung erschöpfen sich daher bei weitem nicht in der visuellen Darstellung von Diagrammen und der Bereitstellung von grafischen Bearbeitungsfunktionen für Diagramme. Ein angemessenes Modellierungswerkzeug inkorporiert grundlegende domänenspezifische Sprachkonzepte als abstrakte Beschreibungsbausteine mit spezifischer Semantik. Auf Grundlage der semantischen Zusammenhänge zwischen den Ausdrucksmitteln erlaubt das Werkzeug, Bezüge zwischen Beschreibungsbausteinen zu explizieren, spezifische Arbeitsabläufe des Modellierens domänenspezifischer Sachverhalte zu unterstützen und Optionen zur Navigation durch das im Modell verkörperte Wissen über die Grenzen einzelner Diagramme hinweg bereitzustellen.

Dies bedeutet beispielsweise, betriebswirtschaftliche Aktivitäten und Prozesse systematisch mit strategischen Zielen der Unternehmung zu verbinden und innerhalb des Werkzeugs Navigationsoptionen anzubieten, die es erlauben, von Aktivitäten und Prozessen auf dahinterstehende strategische Ziele und Maßnahmen rückzuschließen. In gleicher Weise können beteiligte Personen oder organisatorische Einheiten und Ressourcen systematisch modelliert werden und Bezüge zwischen beispielsweise Prozessen, verantwortlichen Mitarbeitern und eingesetztem Ressourcenverbrauch durch das Unternehmensmodellierungswerkzeug verfügbar gemacht werden.

MEMOCenterNG

Mit dem Projekt MEMOCenterNG wird am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Unternehmensmodellierung der Universität Duisburg-Essen der Prototyp eines Werkzeugs zur Unternehmensmodellierung entwickelt, das die Sprachen der MEMO-Methode (vgl. [Frank1994], [Frank1995] und folgende) anwendbar macht. Das Werkzeug setzt zur Zeit ein Subset der mit der MEMO-Methode beschriebenen Funktionalität mit folgenden grafischen Modellierungssprachen als Diagrammtypen um:

  • Organisation-Diagram
    zur Modellierung der organisatorischen Struktur eines Unternehmens
  • Strategy-Diagam
    zur Erfassung der strategischen Zusammenhänge eines Unternehmens
  • Activity-Diagram
    Tätigkeitsbereiche eines Unternehmens aus der Makro-Perspektive
  • Resource-Diagram
    physische und immaterielle Produktionsmittel eines Unternehmens
  • Control-Flow-Diagram
    Prozessmodellierung der Tätigkeiten eines Unternehmens
  • Decomposition-Diagram
    strukturelle Verfeinerung von zusammengesetzten Prozessen
  • Allocation-Diagram
    Erfassung des Resourceneinsatzes eines Unternehmens
  • Class-Diagram
    Objekt-orientierte Modellierung als Schnittstelle zur Implementierung

Metamodellierung zur Integration von Perspektiven und Sichten

Um die nahtlose Integration verschiedener Perspektiven und Sichten auf ein Unternehmensmodell zu gewährleisten werden Konzepte und Elemente des Unternehmensmodells in einem Metamodell formal auf Typebene spezifiziert und semantische Beziehungen zwischen ihnen in allgemeiner Form erfasst. Für die Handhabung konkreter Ausprägungen von Unternehmensmodellen steht damit ein Rahmenwerk zur Verfügung, in dem Beziehungen zwischen unterschiedlichen Perspektiven und Sichten sowie Konsistenzbedingungen innerhalb der Modelle formal spezifiziert sind. Aus dieser formalen Spezifikation können weite Teile der Funktionalität eines Software-Modellierungswerkzeuge automatisch abgeleitet werden, wodurch Synchronizität zwischen den konzeptuell modellierten Sprachelementen im Metamodell und der Funktionalität eines Modellierungswerkzeugs automatisch sichergestellt ist.

Standardisierte Austauschformate des Eclipse Modelling Frameworks

Eine standardisierte Plattform zur Entwicklung von Software-Modellierungswerkzeugen aus Metamodellen bietet das Eclipse Modelling Framework (EMF, www.eclipse.org/emf). Das Framework stellt einen flexibel konfigurierbaren Mechanismus zur Erstellung von Modellierungswerkzeugen dar, die trotz ihrer spezifischen Semantik über ein gemeinsames Austauschformat in Form des XML-basierten XMI-Standards verfügen. Da EMF-basierte Werkzeuge alle über ein gemeinsames Meta-Metamodell verfügen, welches durch die Ecore-Metamodellierungssprache im Eclipse-Modelling Framework bereitgestellt wird, besteht auch zwischen separat entwickelten Modellierungssprachen und -werkzeugen innerhalb des EMF ein hohes Potenzial zur Integration. MEMOCenterNG wurde auf Basis des Eclipse Modelling Frameworks entwickelt und profitiert dadurch auch als Forschungsprototyp von einer Reihe bereits ausgereifter Features, die das Framework bereitstellt:

  • Diagrammeditoren mit fortgeschrittenen Funktionalitäten (Zoom, Birdview, Ausdrucken, Grafikexport)
  • einheitliche Benutzeroberfläche innerhalb der Eclipse-Arbeitsumgebung
  • standardisiertes Daten-Austauschformat XMI
  • plattformunabhängige Implementierung, läuft unter Windows, Linux, MacOS

Dokumentation

Download

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