EMSca-Bank Unternehmensmodell (EMSCa)

Forschungsprojekt

Beschreibung

Referenzmodelle besitzen sowohl für die Unternehmenspraxis als auch für die Wissenschaft großes Potenzial: Einerseits stellen sie in Aussicht, betroffenen Unternehmen als elaborierte und qualitativ hochwertige "Blaupause" für die Gestaltung ihrer Abläufe und Strukturen zu dienen. Auf Basis der in das Referenzmodell eingeflossenen Erfahrungen und "best practices" können Unternehmen von dem dokumentierten Wissen profitieren und Geschäftsprozesse, Aufbaustrukturen oder IT-Landschaften effektiver und effizienter umsetzen – anstatt "das Rad erneut zu erfinden".

Andererseits bieten Referenzmodelle auch für die Wissenschaft vielversprechendes Potenzial. So können Referenzmodelle zum einen dazu genutzt werden, sowohl die Spezifika und Eigenheiten einer Domäne (z.B. einer Branche) als auch der angewendeten Modellierungssprachen anschaulich darzustellen und so z.B. illustrativ und nachvollziehbar an Studierende zu kommunizieren. Zum anderen können Referenzmodelle auch Objekt der Forschung werden und als Grundlage für darauf aufbauende Forschungsarbeiten dienen, indem beispielsweise Erweiterungen in Form neuer Konzepte oder neuer Modellierungssprachen an den Referenzmodellen "getestet" bzw. veranschaulicht werden.

Vor diesem Hintergrund entwickelt der Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Unternehmensmodellierung ein umfangreiches Unternehmensmodell, das als Anwendungsbeispiel für Forschung und Lehre dient. In dem Unternehmensmodell werden mit Hilfe der einschlägigen domänenspezifischen Modellierungssprachen (DSMLs) aus dem MEMO-Kontext verschiedene Aspekte eines fiktiven Unternehmens – einer Bank ("Enterprise Modelling Show Case", EMSCa-Bank) – rekonstruiert und in einem umfassenden, integrierten Unternehmensmodell dargestellt. Das Unternehmensmodell erhebt dabei den Anspruch, zumindest in Teilen repräsentativ für Unternehmen im Finanzsektor zu sein und damit als Referenzmodell für mittelständische Banken dienen zu können. Gleichsam ist das Unternehmensmodell noch keineswegs vollständig.

Ziel des Projektes ist es daher, ausgewählte Aspekte mittelständischer Banken unter Rückgriff auf die einschlägige Literatur, Erfahrungen von Experten der Domäne sowie kreative und analytische Überlegungen weiter zu differenzieren und das Unternehmensmodell gehaltvoll anzureichern. Hierzu werden die verschiedenen Aspekte von Unternehmen sukzessive mit den vorhandenen und in Entwicklung befindlichen Modellierungssprachen des Unternehmensmodellierungsansatzes MEMO rekonstruiert.
Ergänzt wird das Unternehmensmodell dabei stets um eine Vielzahl an Gestaltungsalternativen, welche den Spielraum in den Umsetzungen verdeutlichen soll und Ausgangslage für den Entwurf von Anwendungsszenarien im Kontext der Entwicklung neuer Methoden und Modellierungssprachen darstellt.

Zu den derzeit in Arbeit befindlichen Aspekten des Unternehmensmodells gehören (* = in erster Version abgeschlossen):

  • Strategie- und Wertschöpfungskettenmodelle (MEMO SML)
  • Zielmodelle* (MEMO GoalML)
  • Geschäftsprozessmodelle auf unterschiedlichen Abstraktionsebenen (z.B. Prozesslandkarte, Geschäftsprozessmodelle) (MEMO OrgML)
  • Modelle der organisatorischen Aufbaustruktur* (MEMO OrgML)
  • Modelle der IT-Landschaft* (MEMO ITML)
  • Modelle der IT-Sicherheit (MEMO SecML)
  • Modelle der (IT-)Risiken (MEMO RiskML)
  • Modelle der internen Kontrollen und des internen Kontrollsystems (MEMO ControlML)
  • Modelle der Kennzahlen und Kennzahlensysteme (MEMO MetricML)