Multi-Perspective Enterprise Modelling (MEMO)

Motivation

Der Entwurf, die Implementierung und die Wartung betrieblicher Informationssysteme sind mit einer Reihe von Herausforderungen verbunden. Aus softwaretechnischer Sicht ist es u.a. erstrebenswert, ein hohes Integrationsniveau zu erreichen: Auf diese Weise wird tendenziell die Integrität der verwalteten Information gefördert und eine komfortable Wiederverwendung existierender Artefakte unterstützt. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist darauf zu achten, dass das Informationssystem die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens fördert. Das empfiehlt eine sorgfältige Betrachtung strategischer und organisatorischer Randbedingungen. Die erfolgreiche Einführung und Nutzung eines betrieblichen Informationssystems erfordert die Berücksichtigung sowohl software-technischer als auch betriebswirtschaftlicher Aspekte. MEMO zielt darauf, diese verschiedene Sichtweisen auf ein Informationssystem methodisch zu unterstützen, indem es den Entwurf multiperspektivischer Unternehmensmodelle anleitet.

Konzepte

Um die Erstellung leistungsfähiger Unternehmensmodelle zu unterstützen, wurde ein Bezugsrahmen entworfen, der auf einer hohen Abstraktionsebene die Strukturierung eines Unternehmens erlaubt. Bei der Wahl der Perspektiven wurden gängige betriebswirtschaftliche Abstraktionen berücksichtigt und durch softwaretechnisch motivierte Sichtweisen ergänzt. Es werden drei Perspektiven unterschieden: Strategie, Organisation und Informationssystem. Die drei Perspektiven werden in jeweils vier Aspekte differenziert: Prozess, Struktur, Ressourcen, Ziele. So können z. B. Geschäftsprozesse innerhalb der Perspektive "Organisation" im Aspekt "Prozess" modelliert werden. Um eine semantisch reichhaltige Modellierung in anschaulicher Darstellung zu unterstützen, bietet MEMO eine Reihe dedizierter und integrierter Modellierungssprachen. Sie sind Bestandteil einer erweiterbaren Spracharchitektur. 

Die Erstellung, Nutzung und Pflege von Unternehmensmodellen legen den Einsatz von Modellierungswerkzeugen nahe. So helfen Werkzeuge, die verschiedenen, untereinander semantisch verknüpften Modelle in konsistenter Weise zu pflegen. Außerdem sollten Modellierungswerkzeuge die Darstellung verschiedener Detaillierungsstufen wie auch das komfortable Navigieren durch ein Unternehmensmodell unterstützen. Schließlich sind Werkzeuge unerlässlich, wenn aus Modellen Code erzeugt werden soll. MEMO Center, eine prototypische, in Smalltalk implementierte Entwicklungsumgebung bietet entsprechende Unterstützungsfunktionen an.

Multiperspektivische Unternehmensmodelle dienen nicht allein der Systementwicklung, sie können darüber hinaus als ein ständig zu pflegendes Reservoir von Teilen des in einem Unternehmen benötigten Wissens angesehen werden. Ihre Erstellung, Pflege und Vermittlung stellt damit einen wichtigen Bestandteil eines leistungsfähigen Wissensmanagement dar.

Zwischen den mit unterschiedlichen Modellierungssprachen erstellten Teilmodellen gibt es vielfältige Beziehungen: So korrespondiert z.B. ein Geschäftsprozessmodell mit dem Modell eines Workflows (erstellt in der Perspektive "Informationssysteme" im Fokus "Prozess") und gleichzeitig mit Vorgaben, die auf der strategischen Ebene erfasst werden (s. Abb. unten). Dabei sind die Zusammenhänge mehr oder weniger genau beschreibbar, da die auf den verschiedenen Ebenen verwendeten Konzepte nicht immer eine weitreichende Formalisierung zulassen.

Vorgehensmodell

Neben den Modellierungssprachen bietet MEMO eine daran anknüpfende Vorgehensweise. Sie besteht aus einem zyklischen Phasenmodell, dessen einzelne Phasen strukturiert beschrieben sind und durch Heuristiken unterstützt werden. Dadurch wird die Gestaltung von Informationssystemen gefördert, die in die organisatorischen Abläufe eingebettet sind und der langfristigen Unternehmensstrategie Rechnung tragen. 

Projekte

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